Klassenfahrt der "Zwölfer"

von Jasmin Wittek

Klassenfahrten - ein Haufen Schüler und die dazu gehörigen Lehrer, organisiert und desorientiert, versammeln sich an Bahnhöfen, an Bussen, an Flughäfen. Es gibt viele dieser Klassenfahrten. Doch ich berichte euch nicht von irgendeiner dieser Fahrten, nicht von irgendwelchen Klassen. Ich erzähle euch auch nicht von irgendeiner Reise, nein: ich erzähle euch in diesem Bericht von der Klassenfahrt der beiden FOS-Abiturklassen am Oberlin-Seminar, von unserer Klassenfahrt, von uns als Gemeinschaft, von uns Schülern und Lehrern als Besucher in Kopenhagen.

Am Montag, 3. September 2018, treffen wir uns am ZOB. Oh Wunder: es kamen alle pünktlich und die Fahrt konnte beginnen. Ein kleiner Stau hier, ein kleiner Stau dort, macht nichts. Wir reden und lachen und die Zeit vergeht wie im Flug - naja zumindest fast. Aufgrund einer kleinen Verzögerung auf der Autobahn mussten wir eine Stunde mehr als geplant auf unsere Fähre in Rostock warten. Die Zeit haben wir uns mit Kaffee und Snacks vertrieben.

Die Überfahrt von Rostock nach Gedser (Dänemark) war für viele eine neue Erfahrung und dauerte knapp zwei Stunden. Die einen sonnten sich an Deck, andere schlenderten durch den Duty-free-Shop und deckten sich mit dem Wichtigsten ein. Süßigkeiten, ganz klar. Wieder im Bus Platz genommen, fuhren wir noch etwa zwei weitere Stunden bis zur Kopenhagener Innenstadt und dem dort gelegenen Hostel. Mittlerweile waren doch nun alle schon recht müde.

Das Hostel lag sehr zentral und die Aufmachung sowie das Ambiente empfanden alle ansprechend. Das Personal begrüßte uns freundlich, der erste Eindruck war also super. Schnell noch die Zimmer aufgeteilt und hoch in die Zimmer. Es gab vier bis sechs Bett- Zimmer und, abgesehen von ein paar unerfüllten Wünschen, waren mit der Aufteilung der Zimmer alle zufrieden. So konnten wir erst einmal auspacken, uns einrichten und zurücklehnen. Mittlerweile war es Abend und wir trafen uns zur weiteren Planung des Folgetages auf der Terrasse.

Anschließend brachen wir zu einer kleinen gemeinsamen Wanderung auf. Wir schlenderten durch die wunderschön beleuchtete Innenstadt an gemütlichen und schicken Bars und Restaurants vorbei. Entlang des Wassers gelangten wir zur berühmten Meerjungfrau. Dort erzählte uns Herr Schneider, was es mit dieser Figur, nahe am Festland im Wasser platziert, auf sich hat. Es handelt sich hierbei um die Meerjungfrau als Hauptfigur aus dem Märchen „Die kleine Meerjungfrau“ (dänisch: Den lille Havfrue) des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen. Das Märchen handelt von einer unerwiderten Liebe, da diese sich nicht zu erkennen geben kann. Die Skulptur der Kleinen Meerjungfrau im Hafen von Kopenhagen gilt als Wahrzeichen der Stadt. Da es zum Fotografieren definitiv zu dunken war, gibt es hier einen Link zum Nachlesen:

Die Meerjungfrau


Während des gemütlichen Spazierganges entstanden gute Gespräche und wir bekamen einen ersten Eindruck von Kopenhagen. Wieder im Hostel angekommen, verabschiedeten wir uns voneinander, denn die Anstrengungen des Tages und der Anreise, sowie der vielen neuen Eindrücke und der Wanderung, hatte einen jeden von uns sehr müde gemacht. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgendjemand in dieser Nacht keinen Schlaf finden konnte.

Der zweite Tag

Am Morgen des zweiten Tages trafen wir uns um 8 Uhr zum Frühstück. Ein jeder suchte sich ein gemütliches Plätzchen und bediente sich am Buffet. Es gab Brötchen, Aufschnitt, Müsli und Joghurt, sowie Kaffee, Tee und Säfte. Wenn ich mich nicht täusche, hat es allen gut geschmeckt.Um 10 Uhr traf sich die Gruppe am üblichen Treffpunkt auf der Terrasse. Geplant war für diesen Tag eine Stadtführung, sowie eine am Nachmittag beginnende Stadtrallye. Wir teilten uns in zwei Gruppen auf und wurden jeweils von einer einheimischen Stadtführerin durch die Innenstadt geführt. Wir erhielten Informationen über die Architektur Kopenhagens, die Bauplanung, das Königshaus und natürlich auch über Hans Christian Andersen. Er ist der bekannteste Dichter und Schriftsteller Dänemarks. Berühmt wurde er durch seine zahlreichen Märchen. All die über zwei Stunden erhaltenden Informationen und abgelaufenen Routen kamen uns für die am Nachmittag geplante Stadtrallye zugute. Diese startete um 17 Uhr. Auch dazu wurden wir wieder in Gruppen eingeteilt. Diesmal jedoch bestanden die Gruppen nur aus drei Mitgliedern. Jede Gruppe erhielt einen Fragebogen zu einzelnen Stationen in der Innenstadt. Der Fragebogen griff noch einmal geschichtliche Ereignisse und die dazugehörigen Bauwerke auf. Zu diesem Zeitpunkt war zwar das Interesse noch groß, doch die Füße taten bereits sehr weh. Ein kleiner Snack und einen Cappuccino im Anschluss ließen uns aber auch diese Strapazen schnell vergessen. Dadurch, dass die Gruppen per Losverfahren eingeteilt wurden, erhielten wir die Chance, auch diejenigen besser kennenzulernen, mit denen man bisher noch nicht näher in Kontakt getreten war. Eine Auswertung der Stadtrallye fand um 19 Uhr auf der Terrasse Stadt. Am Abend bestand die Möglichkeit, an einem Spiel namens „Werwolf“ teilnehmen zu können. Lehrer sowie einige Schüler verbrachten also den restlichen Abend ratend und rätselnd auf der Terrasse im Hostel, andere quasselnd auf ihren Zimmern, und wieder andere fielen nur noch ins Bett. Ich zum Beispiel.

Der dritte Tag

Am Mittwoch planten wir nach dem Frühstück den für diesen Tag vorgesehenen Tagesausflug. Wir Schüler konnten zwischen drei Themen auswählen. Frau Rabe bot an in das Nationalmuseum (Geschichte Dänemarks) zu gehen. Herr Schneider bot das Thema Kunst an mit Besuch der Nationalgalerie sowie der „Ny Carlsberg Glyptothek“. Susanne wählte für ihre Gruppe eine Fahrt nach Roskilde, um dort das ansässige Ragna Rock Museum für Rock und Popkultur zu besuchen. Alle Gruppen verließen gegen 12 Uhr das Hostel. Zwei Gruppen erreichten ihr Ziel fußläufig in der Innenstadt. Susannes Gruppe fuhr mit dem Zug nach Roskilde. Am frühen Abend, so gegen 20 Uhr, kamen dann alle wieder zusammen. Es wurde berichtet und gequasselt, vor allem auch darüber, dass Herr Schneider und seine Gruppe kurzzeitig alle anderen auf den Arm nahmen, indem sie uns die Geschichte auftischten, dass sie im Museum eingeschlossen worden seien. Alle Gruppen - und wenn ich mich nicht irre: jeder einzelne - war sehr positiv von den Ausflügen überrascht. Nicht nur, dass es interessant war: Es war auch sehr entspannend als gesplittete und somit auch kleinere Gruppe Kopenhagen und seine Museen kennenzulernen. Am Abend dann wieder Freizeit. Ich bitte um Verständnis, dass ich an dieser Stelle nicht näher auf die Geschehnisse eingehen kann.

Der vierte Tag

Der Donnerstag, unser letzter Tag unserer gemeinsamen Reise, sollte von der Gestaltung her in unserer Verantwortung und unserem Interesse liegen, also von uns Schülern. Nach dem Frühstück konnte sich ein jeder aufteilen wie er wollte. Zusätzlich wurde aber auch eine gemeinsame Bootstour angeboten, an der auch einige Schüler sowie Frau Rabe, Susanne und Herr Schneider teilnahmen. Andere liehen sich ein Fahrrad aus und erkundeten selbständig die Stadt. Wenn ich mich nicht irre, hat ein jeder auch zumindest einmal den „Freistaat Christiania“ besucht: Ein Dorf mit einem kommunenartigen Zusammenleben, in dem ganz eigene Gesetze und Regeln herrschen. Auch dort konnte man sehenswerte Häuser mit interessanter Architektur betrachten. Cafés, in denen man noch rauchen darf und kunstvoll gestaltete Gärten. An dieser Stelle fällt mir ein, welch ein Glück wir mit dem Wetter hatten. An jeden einzelnen Tag schien die Sonne und der Himmel war blau.

Am Morgen unseres letzten Tages hatte jeder einzelne den Auftrag erhalten, für ein geplantes Picknick am Abend eine Kleinigkeit zum Essen und zum Trinken einzukaufen. Gesagt, getan. Und so trafen wir uns um 17 Uhr am Nachmittag alle gemeinsam im Königsgarten. Wir versammelten uns in einem Kreis und während wir aßen und tranken spielten Herr Schneider und Susanne auf ihren mitgebrachten Instrumenten Musik und sangen. Frau Rabe klinkte sich als dritte Gesangsstimme ein. Herr Schneider, als waschechter Bayer, spielte uns einige Lieder auf seinem Akkordeon vor. Susanne übernahm mit ihrer Gitarre den rockigen Part und Frau Rabe begleitete gesanglich die Band. So ließen wir gemeinsam den letzten Abend als Gruppe ausklingen. Im Hostel wurde danach mit Bier und Wein auf die gelungene Fahrt angestoßen und so endete die Klassenfahrt in Kopenhagen.

Das war's

Freitag wurde nach dem Frühstück noch hastig das Gepäck in die Koffer verstaut und wir liefen zum Bahnhof. Die Rückfahrt, diesmal ohne großartige Verspätung, verbrachten die meisten mit Schlaf, andere mit Lachen, wieder andere mit Lesen. Natürlich passend zum Deutschunterricht und für den bevorstehenden Lektüretest: „Ruhm“ von Daniel Kehlmann. Ja, auch wenn wir alle im Reise-Feeling waren, war es uns spätestens an dieser Stelle bewusst, dass die Reise vorbei war und der Schulalltag nach dem Wochenende wieder beginnen würde. Und dennoch, es war schön. Und auch noch zwei Wochen nach der Fahrt ist Kopenhagen und die gemeinsam erlebte Zeit Thema in den Pausen. Nicht nur, dass Kopenhagen als Stadt wunderschön und interessant war - auch das bessere Kennenlernen untereinander, gerade mit der jeweiligen Parallelklasse, und die dadurch entstandenen Kontakte, hat die Reise zu etwas ganz Besonderem gemacht. Wir als Schüler möchten den Lehrern Susanne, Frau Rabe und Herrn Schneider vom Herzen für die große Mühe und die schöne Zeit miteinander bedanken.