Die Neue: Erdmute Nieke

Erdmute Nieke ist unsere "neueste" Kollegin am Oberlinseminar und seit Februar mit an Bord. Sie ist Theologin, Religionspädagogin und privat passionierte Marathonläuferin. Wir nutzen die Gelegenheit, damit sie sich hier selbst vorstellen kann.


Warum ich jeden Tag gern nach Lichterfelde fahre!

Das beginnt schon früh morgens bei der Ankunft am S-Bahnhof Lichterfelde-Ost, der Gemüsehändler am Fahrradaufzug kennt mich nun schon und grüßt jeden Morgen freundlich. Dann 1,7 km zur Schule geradelt. An der Schultür grüßt ein weißer Steinengel bei jedem Wetter. Unsere Sekretärin ist immer schon da und begrüßt mich fröhlich, die Kaffeemaschine ist startklar. Mein kleines, gemütliches Büro unter dem Dach: Jacke aus, Computer an und noch schnell die Mails gecheckt. Dann geht es los und es kommt das BESTE: Die Schüler*innen und Studierenden des Oberlin-Seminars! Ich darf sie alle in Religion unterrichten. Ich bin die neue Religionslehrerin und Schulseelsorgerin und die Berufsfachschule für Sozialassistenz koordiniere ich auch noch. Unsere Schüler*innen und Studierenden – das ist eine bunte und fröhliche Menge von 300 zumeist jungen Menschen, die jüngsten sind gerade mal fünfzehn, die ältesten sogar manchmal älter als ich (ich bin Jahrgang 1970)! Eines haben sie alle gemeinsam: Ein klares Ziel vor den Augen, das heißt Sozialassistent*in, Erzieher*in werden oder ein Fachabitur.

Mit diesem Ziel macht der gemeinsame Religionsunterricht richtig Spaß, es geht immer praxisorientiert zu: Wie gestalte ich in der Kita einen Morgenkreis zu Ostern? Ist Sterbehilfe ethisch vertretbar? Kann ich Martin Luthers Freiheitsbegriff für meine tägliche Arbeit als Erzieher*in noch gebrauchen? Was muss ich wissen, wenn ein Kind trauert und kann ich es trösten? Welche Festtage feiern muslimische und jüdische Kinder? Was heißt es, religionssensibel zu arbeiten?

Doch es gibt nicht nur Unterricht im Oberlin-Seminar. Es gibt auch Pausen: Unser Koch in der modernen und hellen Mensa hat für alle das Passende zu essen. Wem es doch nicht schmeckt, kann die Schülerküche nutzen, gleichzeitig auch ein Ort für viele gute Begegnungen. Es gibt einen Raum der Stille, da ist es manchmal gar nicht still, auf den Kissen treffe ich oft Leute und komme über Vieles ins Gespräch, denn direkt neben diesem Raum ist mein Büro. In der Passionszeit lagen im Raum der Stille Fastenkalender aus. Während des Ramadan treffen wir uns da in den Mittagspausen zu Gesprächsrunden über den Islam in Deutschland.

Nach den Osterferien haben wir alle zusammen in unserem schönen Schulgarten ein Osterfeuer mit Broten, Liedern und Segen zelebriert. Vor den Weihnachtsferien und zum Abschluss der verschiedenen Ausbildungen gibt es feierliche Andachten im Schulhaus oder auch in der Kirche. Es gibt – logisch – auch noch fast 30 Kolleg*innen, immer hilfsbereit und ansprechbar, denn ich bin ja noch neu. Wo stehen die Klassenbücher und die Bibeln? Wie trage ich die Noten ein und die Anwesenheit?

Und dann gibt es zwei Hausmeister, die alles zurecht rücken, reparieren und in Gang bringen vom Computer bis zum Schlüssel. Wenn sich die Schule am Nachmittag leert und ich an meinem Schreibtisch den neuen Tag vorbereite, mich in Ausbildungsverordnungen und Praktikumspläne vertiefe, kommen noch zwei tolle Frauen, die alles super blitzblank putzen! Spätestens am Ende des Tages, manchmal auch früher, mache ich noch einen Schwatz mit der Schulleiterin, tausend Fragen zur Schulorganisation, zu Schulgesetzen, Ausbildungsverordnungen – sie hat immer kluge Ideen und Antworten oder sie weiß, wo wir uns schlau machen können. So macht die Arbeit Spaß und ich fahre nach jedem Arbeitstag in Vorfreude auf die Erlebnisse und Begegnungen des kommenden Tages fröhlich nach Hause!